Warum fehlt Spider-Man in Marvel's Avengers auf Xbox und PC?

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Die Ankündigung, die die Spielerschaft spaltete

Als Crystal Dynamics und Square Enix enthüllten, dass Spider-Man als herunterladbarer Charakter nach der Veröffentlichung zum Kader von Marvel's Avengers stoßen würde, war die anfängliche Begeisterung sofort groß. Spider-Man ist schließlich Marvels bekanntester Superheld — eine Figur, deren kultureller Fußabdruck weit über die Leserschaft von Comics hinaus bis in Film, Fernsehen und Videospiele reicht. Die Aussicht, als Netzschwinger an der Seite von Iron Man, Thor, Hulk, Captain America, Black Widow und Ms. Marvel zu spielen, fühlte sich wie die natürliche Erfüllung der Avengers-Fantasie an.

Dann kam der Haken: Spider-Man wäre exklusiv für die PlayStation 4- und PlayStation 5-Versionen des Spiels verfügbar. Xbox-, PC- und Google Stadia-Spieler würden den Charakter nicht erhalten — nicht als zeitexklusiven Inhalt, nicht als kostenpflichtiges Add-on, sondern als dauerhafte plattformspezifische Ergänzung. Die Ankündigung löste erheblichen Gegenwind aus, warf Fragen zur Ethik von plattformexklusiven Inhalten in Multiplattform-Spielen auf und veranlasste Crystal Dynamics dazu, die Gründe für diese Entscheidung öffentlich zu erklären.

Die Reaktion der Community erfolgte prompt und war gespalten. PlayStation-Spieler begrüßten die Nachricht im Allgemeinen als Bonus für ihre bevorzugte Plattform, während Xbox- und PC-Spieler ihren Frust darüber zum Ausdruck brachten, dass eine für das Marvel-Universum so zentrale Figur wie Spider-Man dauerhaft von ihrer Spielversion ausgeschlossen sein würde. Foren, soziale Medien und die Spielepresse verstärkten die Debatte, wobei einige Kommentatoren argumentierten, dass plattformexklusive Gameplay-Inhalte in einem zum Vollpreis erhältlichen Multiplattform-Titel eine Grenze überschritten, die kosmetische Exklusivitäten nicht überschritten hatten. Die Kontroverse wurde zu einer Fallstudie dafür, wie Plattform-Deals zwar kommerziell vorteilhaft für die beteiligten Parteien sein können, aber gleichzeitig anhaltende Reibungen in der Community erzeugen, die das Wohlwollen gegenüber einem Live-Service-Spiel schädigen.

Die Geschäftsbeziehung hinter der Exklusivität

Die Erklärung, als sie schließlich kam, war unkompliziert und eher in Lizenzfragen als in Entwicklungsentscheidungen begründet. Der Co-Head von Crystal Dynamics, Scot Amos, adressierte die Frage direkt in Interviews mit mehreren Medien, darunter Den of Geek und IGN.

Der Kern der Angelegenheit ist Sonys langjährige Beziehung zu Marvel bezüglich der Figur Spider-Man. Sony Pictures hält die Filmrechte an Spider-Man, und Sony Interactive Entertainment veröffentlichte das von Insomniac Games entwickelte „Marvel's Spider-Man“ (2018), einen von der Kritik gefeierten PlayStation-exklusiven Titel. Diese bestehende Partnerschaft schuf das, was Amos als „eine einzigartige Gelegenheit für PlayStation-Fans“ bezeichnete — eine Gelegenheit, die anderen Plattforminhabern nicht offenstand, da die zugrunde liegenden Charakterrechte über Sony laufen.

Amos achtete darauf, die Entscheidung als beziehungsgesteuert und nicht als willkürlich darzustellen: „Wegen der Beziehung, die Sony und PlayStation zu Marvel haben, gab es eine einzigartige Gelegenheit für PlayStation-Fans, diesen Helden präsentiert zu bekommen.“ Er betonte, dass die Entscheidung nicht allein bei Crystal Dynamics lag, sondern aus der bestehenden Rechtsstruktur zwischen Sony und Marvel hervorging.

Auf die Frage, ob die Exklusivität dauerhaft oder zeitlich begrenzt sei, lehnte Amos es ab, dies zu bestätigen, und erklärte lediglich: „Wir haben bisher nur angekündigt, dass er exklusiv für PlayStation ist. Es gibt also im Moment keine anderen Einschränkungen.“ Diese sorgfältig formulierte Antwort ließ Raum für Interpretationen, deutete aber darauf hin, dass es keine Pläne gab, Spider-Man auf andere Plattformen zu bringen.

Die Lizenz-Erklärung war zwar rechtlich fundiert, stellte die Kritiker jedoch nicht vollständig zufrieden. Das Argument frustrierter Spieler war nicht, dass Sony die Rechte fehlten, sondern dass ein Multiplattform-Spiel, das an alle Spieler vermarktet wird, Gameplay-Parität über alle Plattformen hinweg liefern sollte. Die Frage war nicht, ob Sony ein Exklusivabkommen arrangieren konnte, sondern ob sie es sollten — und ob Publisher, die solche Deals akzeptieren, Verantwortung für die daraus resultierende Fragmentierung des Spielerlebnisses tragen.

Ein anderer Spider-Man als in der Insomniac-Version

Eine wichtige Klarstellung von Crystal Dynamics war, dass ihr Spider-Man eine eigenständige Interpretation sein würde, getrennt von der Version in den Spielen von Insomniac. Das Studio betonte, dass „Marvel's Avengers“ seinen eigenen Spider-Man bietet — mit einem anderen Kostümdesign, anderen Kampfanimationen und einem anderen Stellenwert in der Handlung.

Dennoch enthüllte Amos, dass die beiden Studios im Austausch standen. Marvel ermöglichte eine Einführung zwischen Crystal Dynamics und Insomniac, wodurch beide Teams Erkenntnisse austauschen und Ansätze vergleichen konnten. „Marvel hat eine Einführung zwischen Crystal und Insomniac arrangiert“, erklärte Amos. „Wir konnten uns zusammensetzen und die Inhalte und das Spiel der jeweils anderen Seite betrachten.“ Diese Zusammenarbeit stellte die thematische Konsistenz sicher, während die kreative Unabhängigkeit gewahrt blieb.

Scharfsinnige Fans bemerkten, dass Insomniacs „Marvel's Spider-Man“ (2018) einen Hinweis darauf enthielt, dass die Avengers an der Westküste operieren, und „Marvel's Avengers“ beginnt in San Francisco. Amos bestätigte dies mit einem Lächeln: „Ich kann sagen, dass wir zusammen etwas getrunken und gesagt haben: 'Wäre es nicht cool, wenn...' Es könnte also sein, dass so etwas dazu geführt hat, ein paar dieser kleinen Nuancen einzubauen.“ Er bestätigte jedoch, dass die beiden Spiele in getrennten fiktiven Universen existieren — die gemeinsamen Hinweise seien Augenzwinkern, keine kanonischen Verbindungen.

Der einzige plattformexklusive Charakter

Eine Beruhigung, die Crystal Dynamics anbot, war, dass Spider-Man der einzige Charakter sein würde, der der Plattformexklusivität unterliegt. Amos bestätigte gegenüber IGN: „Das ist der einzige Charakter, bei dem wir das so handhaben.“ Alle anderen Charaktere, die nach der Veröffentlichung hinzukamen, einschließlich Hawkeye und Kate Bishop, wären auf allen Plattformen verfügbar.

Diese Einschränkung war bedeutend. Sie bedeutete, dass Xbox- und PC-Spieler weiterhin den gesamten Kernkader und alle nachfolgenden Charakterergänzungen erhalten würden — sie würden lediglich einen Charakter vermissen. Amos formulierte dies als ein breiteres Nutzenversprechen: „Marvel's Avengers hat viele Helden, und mit dem Umfang und der Weite dieses Spiels und dieses Universums werden die Spieler alle Hände voll zu tun haben.“

Historischer Kontext: Plattformexklusive Charaktere in Spielen

Die Praxis, plattformspezifische Charaktere in Multiplattform-Spielen anzubieten, hat Präzedenzfälle, auch wenn sie in den letzten Jahren seltener geworden ist.

Soulcalibur II (2003) ist vielleicht das berühmteste Beispiel. Das Kampfspiel bot auf jeder Plattform einen einzigartigen Gastcharakter: Link (aus The Legend of Zelda) auf GameCube, Spawn auf Xbox und Heihachi (aus Tekken) auf PlayStation 2. Im Gegensatz zur Situation bei „Marvel's Avengers“ erhielt jede Plattform einen exklusiven Charakter, was eine ungefähre Parität schuf. Nachfolgende Einträge der Soulcalibur-Reihe gaben diese Praxis auf.

Disney Infinity 3.0 (2015) bot Boba Fett als PlayStation-exklusiven Charakter vor anderen Plattformen an, was bedeutete, dass Xbox- und andere Plattformspieler zum Start keinen Zugriff auf den Kopfgeldjäger hatten. Diese Entscheidung löste ähnliche Frustration in der Community des Spiels aus.

Die Situation bei „Marvel's Avengers“ unterscheidet sich von diesen Beispielen in einem entscheidenden Punkt: Anstatt dass jede Plattform einen anderen exklusiven Charakter erhielt, erhielt nur eine Plattform einen zusätzlichen Charakter. Diese Asymmetrie machte die Entscheidung besonders umstritten — es war kein Tausch, sondern eine einseitige Inklusion.

Wie Spider-Man auf PlayStation spielte

Für PlayStation-Spieler, die Spider-Man erhielten, brachte der Charakter ein deutlich anderes Spielerlebnis. Spider-Mans Fortbewegungsmechaniken — das Schwingen an Netzen zwischen Umgebungspunkten, das Kriechen an Wänden auf vertikalen Oberflächen und die Ausführung schneller Ausweichmanöver — unterschieden sich von allem im Basiskader. Sein Kampf-Kit betonte Agilität und Massenkontrolle, mit netzbasierten Fähigkeiten, die Gegner bewegungsunfähig machen und Combo-Möglichkeiten für andere Teammitglieder im Koop-Spiel schaffen konnten.

Der Charakter kam zudem mit einer eigenen Story-Mission, der „With Great Power“-Operation, die erzählerischen Kontext für seine Ankunft lieferte und seine Beziehung zum bestehenden Avengers-Team festigte. Dieser Inhalt war exklusiv für PlayStation, was die Kluft zwischen den Versionen des Spiels weiter vergrößerte.

Die breiteren Auswirkungen für Multiplattform-Spiele

Die Spider-Man-Exklusivität in „Marvel's Avengers“ wirft Fragen auf, die über ein einzelnes Spiel hinausgehen. Da die Spieleindustrie zunehmend auf Live-Service-Modelle setzt — bei denen Spiele über mehrere Jahre hinweg mit regelmäßigen Inhalts-Updates unterstützt werden — wird die Frage, wer welche Inhalte und zu welchem Zeitpunkt erhält, bedeutsamer.

Wenn ein Spiel als Multiplattform-Titel mit einer gemeinsamen Roadmap vermarktet wird, erwarten Spieler auf allen Plattformen Parität bei den Gameplay-Inhalten. Kosmetische Exklusivität (wie plattformspezifische Skins) wird allgemein akzeptiert. Aber Exklusivität, die das Gameplay beeinflusst — insbesondere die Hinzufügung eines voll spielbaren Charakters mit einzigartigen Fähigkeiten, Story-Inhalten und Ausrüstung — schafft eine spürbare Ungleichheit im Spielerlebnis.

Crystal Dynamics versuchte dies zu mildern, indem sie bestätigten, dass Spider-Man der einzige exklusive Charakter sein würde, und indem sie die Fülle der auf allen Plattformen verfügbaren Inhalte betonten. Ob diese Milderung ausreichte, hing weitgehend davon ab, wie sehr die einzelnen Spieler den Spider-Man-Charakter speziell schätzten.

Was das heute für Spieler bedeutet

Für Spieler, die überlegen, welche Version von „Marvel's Avengers“ sie kaufen sollen, hat die Spider-Man-Exklusivität praktische Auswirkungen.

PlayStation-Spieler erhielten Spider-Man als kostenlosen DLC-Charakter, was einen neuen spielbaren Helden mit einzigartigen Fortbewegungsmechaniken (Netzschwingen, Wandkriechen), Kampffähigkeiten und Story-Inhalten hinzufügte. Der Charakter integrierte sich in die bestehenden Ausrüstungs- und Fortschrittssysteme des Spiels und bot die gleichen Anpassungsoptionen wie die Kernmitglieder des Teams.

Xbox- und PC-Spieler erhielten alle anderen Inhalte nach der Veröffentlichung — einschließlich Hawkeye, Kate Bishop und zusätzlicher Regionen — erlangten jedoch nie Zugriff auf Spider-Man. Für Fans speziell dieses Charakters stellte dies eine bedeutsame Lücke im Kader dar.

Die Entscheidung beeinflusste auch das Kaufverhalten. Spieler, die sowohl eine PlayStation als auch eine Xbox oder einen PC besaßen, hatten einen klaren Anreiz, sich für die PlayStation-Version zu entscheiden. Diejenigen, die nur Nicht-PlayStation-Plattformen besaßen, standen vor der Wahl, einen unvollständigen Kader zu akzeptieren oder in zusätzliche Hardware zu investieren.

Das Erbe der Entscheidung

Das Spiel „Marvel's Avengers“ wurde inzwischen eingestellt, wobei Crystal Dynamics den Support beendet hat und das Spiel aus digitalen Stores entfernt wurde. Aber der Präzedenzfall, der durch die Spider-Man-Exklusivität geschaffen wurde, prägt weiterhin Diskussionen über plattformexklusive Inhalte in Multiplattform-Titeln.

Der Fall veranschaulicht eine Spannung, die in der Branche anhält: Lizenzverträge und Plattformpartnerschaften können einem Teil der Spieler echten Mehrwert bieten, während sie bei anderen ein Gefühl der Ungerechtigkeit erzeugen. Ob dieser Kompromiss akzeptabel ist, hängt von den Besonderheiten jedes Deals, der Transparenz der Kommunikation und dem allgemeinen Nutzenversprechen des Spiels über die exklusiven Inhalte hinaus ab.

Für Marvel-Fans bleibt die Spider-Man-Situation in „Marvel's Avengers“ ein warnendes Beispiel — eine Erinnerung daran, dass selbst in einem Spiel, das darauf aufgebaut ist, die mächtigsten Helden der Erde zu versammeln, nicht jeder Held auf jeder Plattform versammelt werden kann.

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